Eine festlich gedeckte Tafel samt Tisch und Stühlen, Dekoration und Musik auf dem Friedhof aufbauen und beim Grab der Verwandten ein fröhliches, lautes Familienfest feiern. Wie klingt das für Sie? Fühlt sich das für Sie fremdartig an? Mit diesem Gefühl sind Sie in Deutschland sicher nicht allein. Doch beim mexikanische Fest „Día de los muertos“ („Tag der Toten“), das jedes Jahr vom 31. Oktober bis 02. November gefeiert wird, ist es ein fester Bestandteil der Feierlichkeiten und steht damit in großem Gegensatz zu den katholischen Traditionen an Allerheiligen.
Leben und Tod betreffen alle Menschen – unabhängig von Herkunft, Religion, Sprache oder Kultur sind sie ein großes gemeinsames Fundament, das uns über alle Grenzen hinweg verbindet. Doch jede Gesellschaft entwickelt eigene Formen des Erinnerns, Trauerns und Feierns des Lebens. Um darüber mit Menschen verschiedener Kulturen und Religionen in den Austausch zu kommen, hat sich das Projekt „Leben, Tod und Erinnerung – Ein interkultureller Dialog“ gebildet,eine Kooperation zwischen dem Malteser Hospizdienst, dem Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Schweinfurt e.V. im Zentrum casa Vielfalt und dem Arzt und Künstler Dr. Humberto Tapia Peréz.

Beim Startabend des Projektes am 09. Juni im katholischen Zentrum „casa Vielfalt“ in Schweinfurt berichtete Dr.med. Humberto Tapia Peréz über die Hintergründe des „Día de los muertos“. Diese jahrhundertealte Tradition wurde 2003 von der Unesco zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt. Dr. Peréz, seit 10 Jahren als Neurochirurg am Leopoldina Krankenhaus in Schweinfurt tätig, verknüpfte in seiner Präsentation die kulturellen Traditionen und Sichtweisen seines Heimatlandes Mexiko mit der medizinischen Perspektive auf den Sterbeprozess und den Umgang mit dem Tod.

Anschließend legte Monika Spath vom Malteser Hospizdienst Schweinfurt die Erfahrungen dazu, die sie und ihr Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen bei der Begleitung sterbender und trauernder Menschen in Deutschland gemacht haben. Sie berichtet davon, dass die Themen Trauer, Tod und Sterben in unserer Gesellschaft sehr tabuisiert sind und viele Menschen die Gedanken daran verdrängen möchten. Kinder hingegen seien viel aufgeschlossener und stellten in den Workshops des Malteser Hospizdienstes viele Fragen. Außerdem sei der Glaube für viele sterbende Menschen und ihre Angehörigen ein großer Halt und eine Kraftquelle.
Bei allen kulturellen Unterschieden wurde eine große Gemeinsamkeit deutlich: Eine aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit, mit dem Tod lieber Angehöriger oder mit Wegen der Trauer kann sehr zu einem erfüllten, achtsamen Leben im Hier und Jetzt beitragen.
Nach einem Informationsabend zum Start des Projektes sind Interessierte eingeladen, sich künstlerisch mit diesen universellen Themen auseinanderzusetzen und ihre Werke einzureichen. Denn Kunst schafft Räume des Dialogs, der Begegnung und des gegenseitigen Verständnisses. Sie macht sichtbar, was Worte oft nicht ausdrücken können: Erinnerung, Verlust, Hoffnung, Liebe und Verbundenheit. Im Rahmen der Interkulturellen Wochen Schweinfurt werden die eingereichten Kunstwerke dann im Zentrum casa Vielfalt im Foyer und der Kirche St. Anton ausgestellt, die Vernissage ist am 24.10.26 um 12.00 Uhr.
Die Ausstellung wird bis zum 14. November zu sehen sein und bei verschiedenen Veranstaltungen im Zentrum einbezogen. Auch am Allerheiligen Fest am 01. November wird sie sicher manche Gäste zum Nachdenken anregen und Impulse setzen zum Austausch.
Aufruf Kunstausstellung
Teilnahmebedingungen
Gesucht werden Künstlerinnen, Kreative, Bürgerinnen, Gruppen und Interessierte, die ihre Perspektive in Form eines Werkes oder Beitrags einbringen möchten.
- Gestaltung eines Kunstwerks zum Thema Leben, Tod oder Erinnerung
- Freie Wahl der Technik: Malerei, Zeichnung, Collage, Fotografie, u.a. Keine Skulpturen oder Installationen. Maximale Große 80×100 cm.
- Teilnahme offen für Einzelpersonen und Gruppen
- Keine professionelle Vorerfahrung notwendig
Zeitraum
- Vorbereitungs- und Arbeitsphase: Juni bis Mitte Oktober 2026
- Vernissage der Ausstellung: 24.10.2026
- Finissage / Abschlussveranstaltung: 14.11.2026
- Organisatoren: Dr. med. Humberto Tapia Perez, Malteser Hospizdienst, Caritasverband für Stadt und Landkreis Schweinfurt e.V.
Ziel des Projekts
Das Projekt möchte unterschiedliche kulturelle Perspektiven auf Leben, Tod und Erinnerung sichtbar machen und durch Kunst den Austausch in unserer Stadt stärken.
Anmeldung und Informationen
E-Mail: jhtapiap@gmail.com
E-Mail: hammer@caritas-schweinfurt.de
