Der muslimische Fastenmonat Ramadan und die christliche Fastenzeit beginnen in diesem Jahr gemeinsam am 18. Februar

In westlichen Kulturen verbinden viele Menschen das Fasten mit Verzicht und Verbot. Doch Fasten ist ein bewährtes Mittel um sich aus dem Alltag zu lösen und wird nicht ohne Grund in allen großen Weltreligionen und viele Kulturen praktiziert. Die gesundheitlichen Vorteile des Intervallfasten gelten in der Medizin als belegt. Für gläubige Muslime ist der der Fastenmonat Ramadan Pflicht und gleichzeitig eine intensive Zeit für die persönliche Weiterentwicklung, eine Zeit des Gebets, der Stille und Nähe zur Familie.
Auch in der christlichen Tradition geht es bei der Fastenzeit um mehr als den Verzicht auf Nahrung oder ein paar Pfunde abzunehmen. Die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern, die Zeit in der die Vögel anfangen zu singen und die Knospen um uns herum aufbrechen, bietet sich an zum Aufbruch: Was ist in meinem Leben verkrustet? Was hält mich gefangen, wie kann ich mein Leben besser am Licht ausrichten?
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Spirituelle Gedanken vom Dekanat Erlangen zur Fastenzeit:
Fastenzeit – neuen Geschmack am Leben bekommen
Verzicht üben und sich einschränken, das klingt überhaupt nicht attraktiv. Trotzdem fasten viele Menschen – vom freiwilligen Verzicht über Heilfasten bis zu krankhaften Zwang.
Fastenzeit schafft Beziehung
das erleben nicht nur Menschen, die in einer Gruppe fasten, um sich gegenseitig zu unterstützen. Auch wenn die Fastenzeit ganz verschieden und individuell gestaltet ist, ist sie ein gemeinsames „Projekt“ aller Christen, das sogar ein wenig in unsere Gesellschaft hineinwirkt. Sie ist Praxis in verschiedenen Religionen und verbindet als Zeichen der Ernsthaftigkeit. Eine Gemeinsamkeit von christlicher Fastenzeit und islamischem Ramadan ist die Zuwendung zu Gott und die Solidarität mit den Ärmsten. Die Religion spielt den Dreiklang: Fasten – beten – teilen und rückt so die Beziehung zu mir selbst, zu Gott und zum Mitmenschen ins Bewusstsein.
Fastenzeit verändert
nicht nur das Gewicht, sondern auch die Wahrnehmung. Der Aschermittwoch forderte auf: „Mensch, denke daran, dass du endlich bist.“ Leben ist kostbar. Die Fastenzeit mutet zu, über Lebensgewohnheiten und Lebensgestaltung nachzudenken: Was ist mir wichtig? Wofür lebe ich – oder werde ich gelebt? Die Fastenzeit schärft den Blick für Überflüssiges, für das, was das Leben belastet, für Zwänge und Abhängigkeiten. Und sie ruft zur Umkehr, wo eigenes und fremdes Leben und Sinn bedroht sind. Die kirchlichen Traditionen von Besinnung, Bußgottesdienst, Beichte und auch wohltätige, soziale Werke wollen dazu helfen. Umkehr, erlebte Vergebung und praktizierte Solidarität erneuern das Leben.
Fastenzeit bereichert
es geht nicht um Selbstquälerei und Schuldgefühle. Als eine „Übungszeit“ (altes Wort: „Exerzitien“) trainiert die Fastenzeit das Weglassen und die Widerstandskräfte gegen Maßlosigkeit und „Zuvielisation“ und wirbt für einen einfacheren Lebensstil. Gegen Schein-Zwänge und Un-Möglichkeiten übt sie Freiheit und gegen Unrecht mobilisiert sie Kräfte für ein gutes, gemeinsames Leben. Sie trägt bei zum Leben und zu einer Kultur der Menschlichkeit. Dabei nimmt sie Maß an der Maßlosigkeit göttlicher Liebe, die ihre Vollendung und Kraft in der Hingabe und Auferstehung Jesu zeigt. Sie bereitet Ostern vor, das Fest des Lebens aus der Gütekraft Gottes.
Zwei Zitate sind vielleicht hilfreich
„sei was du bist – gib was du hast“
(Rose Ausländer)
und
„Gott will nicht das Schwere, sondern das Gute,
das Gute aber auch, wenn es schwerfällt“
(Quelle unbekannt)
Martin Förster
(Pastoralreferent)
https://dekanat-erlangen.de/glauben/spirituelletexte-geistlicheimpulse/fastenzeit
Wir wünschen allen, die sich in den nächsten Wochen auf den Weg der Fastenzeit begeben, bewegende Begegnungen mit sich selbst, mit anderen Menschen und mit Gott.
