Lesekoffer „Flucht und Vertreibung “

bei der Friedrich-Fischer-Schule (Berufliche Oberschule)

Ende des Jahres brachte Judith Gläser, Leiterin der Fachstelle für gesellschaftlichen Zusammenhalt im Caritasverband, den Caritas-Lesekoffer „Flucht und Vertreibung“ zu einer Abschlussklasse der Friedrich-Fischer-Schule (Berufliche Oberschule).

Die Deutschlehrerin Margarete Brand, der sie das Caritas-Projekt Anfang des Schuljahres bereits geschildert hatte, wollte ihre Klasse im Rahmen einer Kurzarbeit die Bücher rezensieren lassen. Aus den 30 Romanen, Tatsachenberichten und Graphik Novels sollten sich die Schülerinnen und Schüler je nach Interesse ihre Favoriten selbst wählen.

Bei dem Pilotprojekt war spannend zu sehen,  wie die Bücher von den Schülern aufgenommen wurden. Es gibt in dem Konglomerat unterschiedlichster Bücher viele Fluchtgeschichten, um mit den Tatsachenberichten Empathie für die hier lebenden Geflüchteten zu wecken. Zum Beispiel die ergreifende Geschichte der somalischen Marathonläuferin und Olympionikin Samia Yusuf Omar, die auf der Flucht nach Europa 2012 im Mittelmeer ertrank. Aber auch Romane zu rechter Gewalt wie die wahre Geschichte eines Anschlags auf ein Wohnheim Geflüchteter aus wechselnder Perspektive der Bewohner und der Täter. Klassiker wie Art Spiegelmanns Graphik Novel „Maus“ standen ebenso zur Auswahl wie populäre Bestseller à la Shirin „Meine Flucht aus den Fängen der IS Terroristen“.  Im Endeffekt interessierten sich die Schülerinnen und Schüler vor allem für die Romane und Graphik Novels – was zu erwarten war.

Im März war Abgabefrist und die Rezensionen trudelten ein. Würde die Auswahl an Lesestoff den Schülern gefallen? Wäre das eine Möglichkeit, auf anderem Weg auf Probleme Geflüchteter hinzuweisen, ohne gleich mit dem erhobenen Moralfinger zu kommen? Nach einer ersten Lektüre der Rezensionen kann man ganz klar sagen: Ja, ist es. Das Fazit ist durchweg positiv. Es fallen Sätze wie: „Gerade aufgrund der aktuellen Flüchtlingslage finde ich es wichtig, dass die Menschen dafür sensibilisiert werden, zu verstehen, was es bedeutet, sein Zuhause zu verlassen und in ein unbekanntes Land fliehen zu müssen. Durch Geschichten wie die von Samia kann man ein Verständnis für die Situation dieser Menschen schaffen.“ oder „(...)[Das Buch] bringt einem die Geschichte von Flüchtlingen näher. Erst nach Erzählungen wie dieser wird deutlich, wie schwer diese Leute es eigentlich haben.“

Nach diesem erfreulichen Feedback konnte nach den Osterferien der letzte Teil des Pakets „Lesekoffer“ in Angriff genommen werden: der Workshop zu Vorurteilen und Stereotypen. In einer Doppelstunde kann man zwar nicht sehr viel bewirken, aber bei vielen gab es Verständnis dafür, wie vorurteilsbehaftet wir im Alltag agieren und wie viele Informationen wir unhinterfragt annehmen. Trotz der auf den ersten Blick objektiv anmutenden Berichte einiger Zeitungen, werden  vielmals Fakten und Statistiken vermischt, um einen anderen Eindruck zu erwecken. Auch viele Daten zu Bevölkerungsstruktur z.B. im Stadtteil Bergl, den Zahlen Geflüchteter in Deutschland  und zur Berufstätigkeit hierzulande waren so nicht bekannt und wurden vor allem durch die reißerische Berichterstattung der sozialen Medien anders eingeschätzt.

Sowohl Judith Gläser als auch die Lehrerin Margarete Brand zogen ein positives Resumee.

Das "Projekt Lesekoffer" ist Teil des Angebotes der Fachstelle für Gesellschaftlichen Zusammenhalt und ist für Schulklassen, Firmgruppen, .. buchbar.

Nähere Informationen finden Sie hier:  https://caritas-sw.de/aktuelle-projekte/